Wachaumarathon: Ein Lauf zwischen Weinbau und Schifffahrt

Der Wachaumarathon hat dieses Jahr bei der Teilnehmerzahl erstmals die 10.000er Grenze überschritten, innerhalb dieser Gesamtzahl folgt er dem landesweiten Trend, daß die volle Marathondistanz kaum Zuwachs hat, die halbe Distanz aber immer beliebter wird. Für mich war es der erste Lauf in diesem Jahr bei (zu) schönem Wetter in einer wunderbaren Landschaft die sich also nicht nur zum Radfahren entlang des Donauradweges, sondern auch zum Laufen hervorragend eignet.

Die Anreise

Als Grazer bietet es sich an, schon am Vortag anzureisen, seine Startnummer abzuholen und sich vorallem der Wachau hinzugeben. Ich hatte mich für den Weg über Wien entschieden und wollt dort auf der A22 über Tulln nach Krems fahren. Unwissend war ich in Wien falsch von der Autobahn abgefahren. Wienkenntnisse fehlten mir ebenso wie ein Navi. Also wandt ich mich an ein Wiener Pärchen, das an der Kreuzung neben mir stand um zu erfragen, wie man nach Korneuburg käme. Sichtlich überrascht kam die Antwort:“Nach Korneuburg? Von do? Des kamma goanet sogn.“ Wieso dann von jmd. erwarten, der über’n Semmering kam? Also entscheide ich mich kurzerhand über St. Pölten zu fahren als ich zufällig eine Tafel nach Linz sehe, das ist ja die selbe Richtung.

Der Samstag Nachmittag bietet beim Wetter einen Vorgeschmack auf den Sonntag und ladet ein, sich die Gegend ein bisschen anzusehen. In Spitz gibt es beim Hotel Mariandl auch ein Gunther Philipp Museum, ein beliebtes Ziel für Oldtimerfreunde. Wir sehen vor dem Hotel einen Mercedes-Benz 300SL – sehr schön und mit seinen Flügeltüren begehrter als die Cabrioausführung. Soll aber – Berichten zufolge – im Sommer in der Fahrerkabine sehr heiß sein.

Mercedes-Benz 300SL vor dem Gunther Philipp
Mercedes-Benz 300SL vor dem Gunther Philipp Meseum beim Hotel Mariandl in Spitz an der Donau

Überrascht war ich abends, daß kaum Läufer den Campingplatz für die Nächtigung gewählt haben. Der Grund, den Campingplatz in Rossatz zu wählen, ist für mich die schöne Lage, wenn man einen Platz in der ersten Reihe direkt an der Donau bekommt. Durch Freundlichkeit hat der Campingplatz in Krems überzeugt.
Zum Marathonziel in Krems konnte man morgens problemlos zufahren und von dort gab es Bahn, Schiff oder Bus zum jeweiligen Startpunkt. Für den Halbmarathon ist der Startpunkt in Spitz, wo schon eine sehr nette Atmosphere wartet.

Der Start des Wachau Halbmarathons in Spitz
Der Start des Wachau Halbmarathons in Spitz

Der Lauf

Beim Start hatte ich mich spontan entschieden während dem Lauf keine Musik zu hören um die Eindrücke der Gegend besser aufzunehmen – so fehlt zwar der „treibende beat“, aber dafür hat man die Chance sich während dem Lauf mit jmd. auszutauschen. Auch die Nordic Walker starten hier und machen die 21km im schnellen Schritt. Deren Block zum Starten ist eigentlich hinter den Läufern, aber ein Pärchen neben mir diskutiert ob sie die 100 Meter nach hinten gehen sollen, weil sie diese dann beim Losstarten ja eh wieder nach vorne gehen müssen. Schließlich hat man sich nur für 21km angemeldet 😉

Als Laufanfänger habe ich in mehreren Artikeln gelesen, daß es wichtig ist langsam zu starten und gleichmäßig über die gesamte Distanz zu laufen. Also starte ich gemütlich und bin wirklich überrascht, wie zügig viele an mir vorbeiziehen. Auch solche, die ich nicht adhoc als klassiche Läufer erkennen würde. Naja – ich will nur unter 2 Stunden sein und denke mir, daß pro Kilometer ca. 5min40sec ein guter Schnitt wären. Andere haben sich Zeiten auf die Hand geschrieben, ich habe mir nur gemerkt, daß ich in der Mitte der Strecke nicht länger als 1 Stunde gelaufen sein darf.

Nachdem man länger neben Weinfeldern gelaufen ist kommt in Dürnstein ein bisschen Stimmung von den Zuschauern und vorallem eine kühlende Pause, wenn man durch den Tunnel läuft. Neben einer Labestation hat pentek dort auch eine Zeitmessung aufgestellt und mir wird hier klar, daß ich für die 12km mehr als 1h10min benötigt habe und jetzt bereits im Rückstand bin, wenn ich noch unter 2 Stunden ins Ziel wollte.

Dürnstein in der Wachau in Oberösterreich
Dürnstein

Ich rechne nicht nach aber denke mir, daß ich ca. mit 5min30sec pro Kilometer ab jetzt gut aufgehoben wäre und vielleicht noch etwas aufholen würde. Die Trommel bei der Labestation motivieren. Und auch ein Heurigenbesitzerin bietet einen weißen Spritzer an. Ab hier sind auch immer wieder Läufer am Straßenrand die sitzen oder liegen – später lese ich in einem Artikel, daß die Sanitäter 88 Personen versorgt hatten.

Naja, so geht’s halt gleichmäßig dahin, bis ich bei 17km wieder rechne und merke, auch das ist zu langsam. In mir kommen Ideen hoch die meine Kompetenz übersteigen. ZB. daß man Marathonzeiten nicht in Stunden und Minuten angibt, sondern nur in Minuten. Dann fielen diese magischen Grenzen weg. Es ist doch kaum ein Unterschied zwischen 1h59 und 2h01, aber wenn man es ausspricht ist’s wie der Unterschied zwischen Gehen und Laufen. Würde man aber hingegen von 119 und 121 Minuten reden, dann klänge die 121er Zeite sogar noch besser …

Also laufe ich ab jetzt schneller und komme dann auch schon bald in Krems an, wo allerdings noch 2km auf die Läufer warten. Auch ein Pärchen neben mir scheint sich die 2 Stunden Grenze gesetzt zu haben und der Mann motiviert die Frau mit:“Ganz toll bist Du gelaufen, die 500 Meter schaffst Du jetzt auch noch.„. Aber für die 2 Stunden ist das Tempo zu langsam – der Mann merkt das und ändert die Motivationsstrategie:“Andrea, bitte.„. Wobei das Bitte kein eigentliches Bitte ist, sondern eher einem Ausrufungszeichen gleicht. Er sah wohl sein 2 Stundenzeit ziehen.
Auch für mich wird es sehr knapp. Mir fällt ein, daß eine Kollegin erzählt hatte, daß sie bei einem Lauf am Ende Cola getrunken hätte und sich über die positive Wirkung wunderte. Also stoppe ich bei der letzten Labestation und nehme quasi von allem – irgendetwas wird mich schon in’s Ziel bringen: Wasser, ein isotonisch Getränk, Gel und eine Cola. Mit diesem undefinierbaren Geschmack im Mund kommen Zweifel auf ob das klug war. Ich laufe noch etwas schneller und merke nun auch die Hitze. Naja, „zumindest sitze ich nicht in der heißen Fahrerkabine eines 300 SL„.

Beim Zieleinlauf auf meine Garmin Pulsuhr gedrückt sehe ich, daß ich meinen letzten Halbmarathon in Korea um fast 25 Minuten unterboten habe und unter den 2 Stunden bin. Ich freue mich und bin zufrieden!

Ein bisschen Statistik

Daß es nur eine Meßstelle von pentek gab war überraschend, aber zumindest erfahre ich, daß ich als 3239ter gestartet bin, bei 12km auf Rang 3074 war und dann die letzten 9 Kilometer ins Ziel noch mehr als 700 Läufer überholt hatte.

PACE (Minuten pro km) beim Wachau Halbmarathon
PACE (Minuten die man pro km benötigt, weniger ist also mehr Tempo) beim Wachau Halbmarathon (Grafik: LibreOffice)

Von meiner Garmin Forerunner 305 bekomme ich genauere Daten die mir die Geschwindkeit über die gesamte Strecke zeigen, die Ausreißer sind die Labestationen 🙂

Die Versorgung im Ziel war wirklich sehr fein und es hat auch Spaß gemacht die anderen Läufer beim Zieleinlauf noch anzufeuern.

Zieleinlauf des Wachaumarathons in Krems
Zieleinlauf des Wachaumarathons in Krems

Bald danach gings mit dem Knaus Schwalbennest zurück in die Steiermark. Um auf das andere Donauufer zu kommen gibt es zwischen Spitz und Arnsdorf eine Rollfähre die in der heutigen Form aus dem Jahre 1948 stammt und nur mit der Energie der Flussströmung Personen und Kraftfahrzeuge zwischen den Ufern hin- und hertransportiert. Während des Marathons muß man allerdings über die Brücke in Mautern ausweichen.

Mit dem Knaus Schwalbennest am Campingplatz in Rossatz
Mit dem Knaus Schwalbennest am Campingplatz in Rossatz

Der Lauf auf der OpenStreetMap Karte:

Die Karte wurde mit dem OSM-plugin erstellt. Bei gedrückter Maustaste kann die Karte verschoben und ein Zoomwindow aufgezogen werden.

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