Mit dem VW Bulli, einem T3 Bus, zu den Pyrenäen in Frankreich

Dieser Artikel ist der erste von drei Teilen über die Reise von Österreich über Italien und Frankreich nach Spanien.

frankreich_bulli_pyrenaeen_01Für den September dieses Jahres hatten wir schon länger eine Reise in die Pyrenäen geplant. An unserem Campingbus waren noch ein paar Kleinigkeiten zu tun. Das Bett im „ersten Stock“ bekam eine neue Matratze und bei der Italienreise im letzten Jahr hatten wir uns vorgenommen die Fahrerkabine zu isolieren – das haben wir innen und außen gemacht. Zusätzlich haben die Fenster alle Thermomatten für die kühlen Nächte in den Bergen bekommen.

Früh morgens ging es in Graz los ohne das Ziel des ersten Tages zu fixieren, wir wollten einfach fahren solange es Spaß macht. Die Temperatur im Fahrerhaus ist deutlich angenehmer und beim ersten Tanken merken wir auch, dass der Spritverbrauch fast einen Liter gesenkt wurde seit wir den Reifendruck auf gut über 3bar gehoben haben. 1 Liter hat in Österreich 1,08 Euro gekostet, in Italien zahlen wir zwischen 1,8 und 1,9 Euro pro Liter. Für die Autobahn zahlen wir bis Savona in Italien auch nochmals €50,5. Hier fahren wir ab und freuen uns über die schöne Küste – finden aber leider keinen Campingplatz direkt am Meer. In Finale Ligure gibt’s aber einen Stellplatz direkt am Meer und wir bekommen auch ein Plätzchen direkt am Meer und können abends noch schwimmen. Der Platz kostet pro Stunde €0,8.-, hat Duschen und Abwaschmöglichkeiten, allerdings kein WC. Daß er direkt neben der Straße liegt stört uns nicht, da wir vom Fahren müde sind und „in’s Bett fallen“.

Stellplatz in Finale Ligure in Italien.

Stellplatz in Finale Ligure in Italien. Unser Campingbus ist etwas versteckt zwischen den großen Wohnmobilen.

In der Nacht hat sich der Stellplatz bis auf den letzten Platz gefüllt. Morgens sind wir die ersten die bei Sonnenaufgang am Meer frühstücken und den Platz verlassen. Für die restliche Autobahn in Italien zahlen wir noch 14,5 Euro, dann liegt „bella Italia“ erstmals hinter uns.

Camping Canet-en-Roussillon mit unserem VW Bus

In Frankreich wollen wir Kilometer machen und fahren bis Canet en Roussillon auf der Autobahn für rund € 60.-. Wir gucken hier nach einem Campingplatz direkt am Strand, aber das ist nicht so leicht. Und einige der Orte sind auch reine „Touristenburgen“ die kaum etwas von einer Ortschaft haben. Wir finden einen kleinen einfachen Campingplatz der über einen Weg mit dem Strand verbunden ist. Camper sind hier mit ihrem Hund willkommen, der Weg selbst zum Strand ist zwar sauber, allerding findet man links und rechts vom Weg „Haufen“ in allen Formen und Geruchsnoten. Am Strand dann auch noch eine Frau die mit ihren beiden Hunden das Wasser beobachtet, jeder der beiden Hunde hat seinen eigenen Sonnenschirm – das Hundeparadies. Für uns gibt es hier keinen Schatten, aber zumindest am Campingplatz haben wir einen schattigen Stellplatz bekommen. In der Früh erkennen wir allerdings, dass die Vögel nachts im Baum über uns ihre sanitären Anlagen hatten und der Markise mit ihrem „großen Geschäft“ ein Punktemuster verschaffen haben … in der Früh also erstmal Markise reinigen.

Wir wollen weiter, sind neugierig auf die Schluchten in den Pyrenäen und möchten über die Gorges de Galamus zur Peyrepetuse Burg.

Vorbei an Perpignan fahren wir in das Fenouillèdes wo gerade Weinlese ist – bei vielen Winzern kann man hier direkt ab Hof einkaufen.

Weinlese im Fenouillèdes in Frankreich

Weinlese im Fenouillèdes in Frankreich

Mit dem Bulli durch die tiefen Schluchten der Pyrenäen

In St. Paul de Fenouillet essen wir „auswärts“ zu Mittag, das „Chapitre“ ist leider wegen Renovierung geschlossen und wir fahren weiter zum Fluss Agly, der die Schlucht Galamus geformt hat. Zu Beginn der Gorges de Galamus wird man darauf hingewiesen dass nur Fahrzeuge bis 2m Breite und 2,7m Höhe die Schlucht passieren können – wir sind an dieser Stelle froh nur einen Campingbus und kein Wohnmobil zu haben. Das Fahren hier macht sehr großen Spaß und die Landschaft ist beeindruckend.

Mit dem Bulli durch die Gorges de Galamus

Mit dem Bulli durch die Gorges de Galamus – nur für Fahrzeuge bis 2 Meter Breiter

Als wir im Dorf Duilhac ankommen können wir beobachten wie am Horizont ein Waldbrand entsteht – er breitet sich schnell aus und bald kommen noch Löschflugzeuge die bis zur Finsternis fliegen werden. Wir besichtigen die Peyrepetuse Burg, die Anlage besteht eigentlich aus zwei Burgen die aus unterschiedlicher Zeit stammen. Der älteste Teil ist aus dem 11. Jdt. Bekannt ist die Burg auch, weil die Katharer hier im 13. Jhdt Zuflucht genommen hatten als die abendländisch-katholischen Christenheit mit den Kreuzzügen ihre Position zu sichern / erweitern versuchten. Aus der Zeit wird der Hl Dominikus zitiert:“Ich habe viele Jahre gepredigt, weinend und flehend … wer den Segen verschmäht mache sich auf den Stock bereit…„(1).  So romantisch die Burg heute auch aussieht, man möchte wohl kaum in einer Zeit gelebt haben in der Menschen verbrannt wurden, man in der eigenen Familie Angst vor Denunzierung haben musste und Folter Teil der „Rechtsprechung“ war.

Burg Peyrepertuse in Frankreich. Am Horizont breitet sich ein Waldbrand aus.

Burg Peyrepertuse in Frankreich. Am Horizont breitet sich ein Waldbrand aus.

Die Lage der Burg ist fantastisch und wir wollen das Panorama auch bei Nacht genießen, also beschließen wir die Nacht hier zu bleiben. Stockfinster, mucksmäuschenstill und windig war die Nacht hier mit einem fantastischen Sternenhimmel. Tagsdarauf frühstücken und ab 8:00 kommen schon die ersten Touris an uns vorbei. Wir fahren weiter an Cucugnan vorbei („Der Pfarer von Cucugnan“ von Alphons Daudet) zur Burg Quéribus die ganz in der Nähe ist, gehen aber nicht zur Burg hoch sondern wollen noch weiter zu Les Orgues d’Ille sur Têt. Die Erosion formt hier den Sandstein zu schönen Landschaften.

Les Orgues d'Ille-sur-Têt - Sandstein zu bizarren Landschaften geformt.

Les Orgues d’Ille sur Têt – Landschaften aus Sandstein die langsam verschwinden …

Es ist heiß und nach einem kleinen Rundgang geht’s weiter – der Bursche an der Kassa gab uns den Tipp zu einem Badesee in Vinça. Hier gibt es einen kostenlosen Stellplatz mit Strand bei einem Badesee. Generell ist die Infrastruktur für Wohnmobile in Frankreich ausgezeichnet, viele kostenlose Stellplätze mit Wasseranschluß. Wir wollen nicht bleiben, schwimmen aber ein paar Runden bevor es auf einen Abstecher nach Eus geht. Die Ortschaft zählt zu den „schönsten Dörfern Frankreichs“ (les plus beaux villages de france) – es soll auch der Ort mit den  meisten Sonnenstunden in Frankreich sein. Der kleine Ort lebt vom Obstanbau und auch wir haben die nächsten Tage Saft von hier im Kühlschrank.
Unser nächstes Ziel ist Villefranche de Conflent, aber am Weg sehen wir den kleinen netten Campingplatz „Bellevue“ und wir bleiben die Nacht spontan hier. Villefranche de Conflent kommt am nächsten Tag – die Stadt wurde 1090 gegründet und ist innerhalb der Stadtmauern seit 400 Jahren praktisch unverändert. Über mehr als 700 Stufen ist das „Chateau Fort Liberia“ mit der Stadt verbunden, aber wir entscheiden uns für die Fahrt mit dem Landrover zum Fort. Gebaut mit dem roten Marmor aus der Gegend. Abends wollen wir noch das Abbay de Saint Martin du Conigou ansehen, wir spazieren zum Kloster hoch und stehen leider vor verschlossenen Türen, aber auch von außen ist das Kloster ein schöner Anblick.

Atemberaubender Blick auf das Kloster Saint Martin du Canigou

Atemberaubender Blick auf das Kloster Saint Martin du Canigou

Alles was wir vom Innenleben des Klosters sehen ist ein Mönch der in Kutte im Allradjeep an uns vorbeifährt. Die Nacht machen wir es uns in der Nähe der Cady Schlucht gemütlich, auf etwas über 1.100 Meter haben wir wieder sternenklaren Himmel und der Wald beginnt in der Finsternis zu leben.

Ein ruhige und kühle Nacht auf 1.100 Meter.

Einsam auf 1.100 Meter mit unserem Bulli. Die neue USB LED Beleuchtung ist fast so romantisch wie die Gaslampe …

Morgens kann man hier oben schon die Standheizung einschalten. Sobald die Sonne scheint, ist es wieder warm. Weiter geht’s nach Evol, malerischer als dieser kleine Ort kann ein Ort eigentlich nicht sein. Auch er gehört zu den schönsten Dörfern Frankreichs.

Evol, malerischer kann ein Ort wohl nicht sein. Selbst der Friedhof hat etwas Liebliches.

Evol, malerischer kann ein Ort wohl nicht sein. Selbst der Friedhof hat etwas Liebliches.

Parallel zum le petit train jaune fahren wir weiter. Der Zug ohne Dach war ursprünglich ein reines Transportmittel für Holz und Vieh und wird jetzt nur mehr für den Tourismus betrieben. Über Mont Loouis fahren wir dann weiter nach Spanien, mit dem Vorhaben nochmals mit etwas mehr Zeit in den französischen Teil der Pyrenäen zu fahren.

Legende zur Karte:

Mautgebühren

  • Italien (gesamt € 65.-)
    • € 50,50.- Ugovizza Tarv. bis Albisola
    • € 14,50.- Albenga bis Cofine di Stato
  • Frankreich (gesamt € 60,9.-)
    • € 6,7.-   Lancon bis St Martin de Cr
    • € 4,5.-   Nizza
    • € 8,5.-   Arles bis MTP 1
    • € 21,7.- Montpellier 2 bis Perpignan Nord
    • € 14,4.- Capitou bis La Barque
    • € 3,6.- Gare La Turbie p.v.
    • € 1,5.-  Gare St. Isidore p.v.

Literatur

(1)…Das Land der Katharer – Der Katharismus * ISBN 2-907380-61-3
(2)…Pyrenäen – Handbuch für individuelles Entdecken * ISBN 978-3-8317-2174-0

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Ein Kommentar zu “Mit dem VW Bulli, einem T3 Bus, zu den Pyrenäen in Frankreich
  1. Wurli sagt:

    Erstklassiger Reisebericht – macht richtig Lust, die Gegend auch einmal zu erkunden, am besten mit dem Motorrad 🙂
    Freue mich schon auf die nächsten Teile!

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