Camping mit dem Wohnmobil in Slowenien

Hymermobil S560 Mercedes 310 DNachdem wir die letzten Jahre mit unserem VW Bulli von Bosnien und Herzegowina bis nach Spanien den südlichen Teil von Europa abgefahren sind, machen wir uns jetzt mit einem Hymermobil auf Entdeckungsreise. Statt dem satten Klang eines 4 Zylinder Boxermotors klingt nun die 3 Liter Dieselmaschine eines Mercedes 310D.  Dem kompakten Wohnraum im VW T3 können wir einen echten Wohnraum im Hymer gegenüberstellen. Der Wechsel bringt nicht nur Vorteile mit sich, das wollen wir in den nächsten Monaten ausloten. Jetzt geht’s erst Mal zu unseren Nachbarn in den Süden um die älteste Stadt Sloweniens und die Weinstrassen zu erfahren.

Anreise mit dem Wohnmobil nach Ptuj in Haloze

Das erste lange Wochenende wollten wir nutzen um mit dem Hymermobil die ehemalige Untersteiermark – im heutigen Slowenien – zu erkunden. Geplant war die Einreise nach Slowenien mit der Fähre zwischen Spielfeld und Bad Radkersburg, als wir aber vor dem Grenzschranken standen war leider klar, dass unser WoMo um 200kg zu schwer für dieses kleine Abenteuer ist. Der Fluss Mur ist zwischen Spielfeld und Bad Radkersburg die Grenze zwischen Österreich und Slowenien und wir fahren  sie nun entlang Richtung Osten und haben dabei durch das linke Fenster Österreich und durch das rechte Fenster Slowenien im Blick.

Weil wir das Hinterland sehen wollen fahren wir alles auf der Landstrasse. Dass wir uns auch die Mautgebühr sparen ist ein angenehmer Nebeneffekt. Die Strassen verlangen hier allerdings mehr Aufmerksamkeit beim Fahren, aber die grossen Flächen mit reifem Löwenzahn ringsum bringen Frühlingsstimmung in die Fahrt.

Mit dem Hymer Wohnmobil durch Rapsfelder

Mit dem Hymer Wohnmobil durch Rapsfelder

Zu Mittag essen wir unterwegs in einem Restaurant das von außen einen ländlich und netten Eindruck macht. Auch von innen. Als wir dann allerdings die Gnocchi bekommen, an denen man sich die Zähne ausbeißen könnte und eine Pizza, die mit ihrer Festigkeit auch als Crêpe durchgehen würde, entscheiden wir dieses Restaurant aus den Reisenotizen zu streichen. Je näher wir nach Ptuj kommen, desto häufiger fahren wir auch durch knallgelbe Rapsfelder und entdecken dabei auch so manchen Oldtimerschatz.

Cadillac Oldtimer

Cadillac Oldtimer – im Radio läuft Elvis Presley

Wir kommen vom Nordosten in die Stadt Ptuj (dt: Pettau) und ohne Navi ist es nicht ganz leicht den Camping Platz an der Therme zu finden. Zu unserer Überraschung ist dieser ganz gut besucht. Hautpsächlich Slowenen, dann Österreicher, Deutsche und auch ein paar Holländer sitzen hier vor ihren Wohnwägen und Wohnmobilen.

Die Römer, Österreich-Ungarn und die Dominikaner in Ptuj

Abends gehen wir noch zu Fuss in die Stadt. Der ADAC Campingführer 2015 spricht von 10 Gehminuten für die Strecke vom Campingplatz in die Altstadt – bei 1,5km sind wir erst am Rand der Altstadt. Aber das Wetter ist mild und man hat entlang der Drava (Drau) einen herrlichen Blick auf die Stadt mit dem Schloss.

Ptuj an der Drava in Slowenien

Ptuj an der Drava in Slowenien

Ptuj ist die älteste Stadt Sloweniens und in keinem Artikel über die Stadt bleiben die Römer unerwähnt. Im Jahr 69 wurd Vespasian hier zum römischen Kaiser gewählt und vor dem Stadtturm steht ein Grabmal für den römischen Bürgermeister Marcus Valerius Verus. Im Laufe der Zeit musste der Grabstein auch als Pranger für Sünder herhalten. Die Temperaturen kühlen etwas ab und wir gehen den Hügel wieder hinunter zum Rathaus, das der Österreicher Max Ferstel geplant hatte. Bis zum ersten Weltkrieg hat die Stadt zu Österreich-Ungarn gehört, weil aber ua die Bahn nicht bis nach Ptuj sondern Marburg gebaut wurde, verliert die Stadt später an Bedeutung.

Die Stadt ist sehr nett und wir beschliessen spontan auch die nächste Nacht hier zu verbringen. Es soll kühl werden in der Nacht, zwischen 1 und 5°C  – wir sind neugierig wie sich das im Wohnmobil anfühlt. Am Campinngplatz ist nebenan ein Päarchen aus Österreich das die Nacht im kleinen Zelt hier verbringen wird. Bei uns im WoMo kühlt es in der Nacht – ohne Heizung – auf 10°C ab. Morgens entscheidet rock–paper–scissors wer aus den Federn muss um die Heizung anzuschalten damit es beim Frühstücken bacherlwarm ist, während es draußen noch unter 10°C hat. Bei blauem Himmel entscheiden wir statt in die Therme gleich wieder in die Stadt zu gehen und die Eintrittskarte für die Therme nur für die  morgendliche Dusche zu verwenden.

Mittags sind wir bei Gostilna Amadeus – ein Restaurant am Fuss des Schlosses das man wirklich empfehlen kann. Und direkt neben dem Dominikanerkloster, das 1786 aufgelöst wurde aber noch immer sehr schön zu besichtigen ist:

Dominikanerkloster Ptuj Slowenien

Dominikanerkloster Ptuj Slowenien

Danach gehen wir auf kleinen runden Pflastersteinen hoch zum Schloss. Sie erinnern uns an die Gnocchi, die wir am Vortag kredenzt bekamen. Für eine Führung im Schloss muss man sich am Vortag anmelden. Fotografieren ist im Schloss verboten. Aber der Blick auf die Dachlandschaft ist auf alle Fälle etwas Lohnendes!

Stadturm und Rathaus in Ptuj

Stadturm und Rathaus eingebettet in die Dachlandschaft von Ptuj in Slowenien

Wir wollen weiter zum bekannten Weinkeller (Vinska klet) und stehen vor verschlossenen Türen – an einem sonningen langen Wochenende. Es gelingt uns auch nicht in der restlichen Innnenstadt ein Fläschchen Wein für den Abend zu kaufen – nur ein Bäcker am Hauptplatz verkauft Pizza und Süßspeisen.

Wir hatten mehrmals darüber kommentiert wie ruhig der Campingplatz liegt und die Nacht absolut still war, die kommende Nacht sollte uns lehren: Das war die Ruhe vor dem Sturm. Weit über Mitternacht hat eine entfernte Veranstaltung den Campingplatz mit slowenischen Liedern beschallt. Am Vormittag packen wir zusammen und fahren zum Grad Borl (Schloss Ankenstein bei Pettau) – zweifellos ein Gebäude mit beeindruckender aber auch trauriger Geschichte, leider auch geschlossen – inzwischen wenig überraschend.

Die Gegend hier ist fantastisch – die Hügeln mit Weinfeldern laden uns ein weiter abseits der Hauptstrasse zu fahren. Wir haben versehentlich zwei Landkarten für Slowenien gekauft – dennoch wissen wir nicht wo wir gerade sind. Als wir nach dem Weg fragen erzählt uns eine Slowenin ihre Legensgeschichte: Vom Nachbarn, der nach dem Krieg weg musste. Nur mit einem Koffer weg, nach Triest und dann mit dem Schiff weiter. Mit ihrem Mann hat sie diese später wieder getroffen, in der Schweiz, wo sie 40 Jahre gelebt und gearbeitet hat bevor sie nun wieder zurück zu ihren Wurzeln ist. Jetzt lebt sie in Ptuj und pflegt gemeinsam mit Verwandten das Geburtshaus in den Weinbergen.

Haloze in Slowenien

Die Weinfelder in Haloze in Slowenien

Wir wollten dann hier noch weiter in den Weinbergen die Gegend erfahren, sind allerdings zweimal recht spektakulär von Zivilstreifen mit Vollgetonhorn und Blaulicht auf die Schengengrenzen aufmerksam gemacht worden. Ein Campingfahrzeug sieht man hier in unmittelbarer Grenznähe nicht gerne. Wir fahren daher über Kroatien weiter nach Ormož und Jeruzalem.

Eine Fahrt nach Jeruzalem

Vom Ort Jeruzalem haben wir erst während der Reise erfahren. Der kleine Ort liegt mitten in einem Weingebiet und weil erster Mai ist, sind die schmalen und steilen Strassen voll mit Wanderer. Auch viele Jugendliche die zT ganz offensichtlich mehr getrunken haben als für das Durstlöschen notwendig wäre. Auf der Strasse wird auch allerhand bei Ständen angeboten und wir essen wirklich großartige Ćevapčići bei einem Stand.

Mit dem Hymermobil in Jeruzalem

Mit dem Hymermobil in Jeruzalem. Die Strasse ist breit genug – wenn kein Gegenverkehr ist.

Einen Platz in einem Buschenschank oder einem Restaurant finden wir nicht – sie sind entweder geschlossen oder so voll dass man nur mit Reservierung einen Platz zum Essen bekommt. Wir fahren also weiter und finden in Krizevci pri Ljutomeru ein gutes Restaurant. Mit vollem Magen geht’s danach wieder nach Hause.

Die Reisekosten mit dem Wohnmobil

Benzin: für 301 km haben wir 23,42 Liter Diesel um € 30.- benötigt (rund 8 L/100km).
Campingplatz: pro Person und Nacht inkl. Therme 18,5 plus € 4.- Strom pro Tag  und Taxen: €82.-
Einmal Restaurant pro Tag: € 19 +  € 25 + € 31 = €75.-
Eintrittsgebühren, Souvenier usw: € 60.-

Gesamtreisekosten  ca. € 247.-

Restaurants und Campingplätze auf der OpenStreetMap Landkarte

Camping Terme Ptuj

Jeruzalem

Restaurant Amadeus in Ptuj

Restaurant Zorko in Krizevci pri Ljutomeru

 

Touristenvideo zu den Orten Ptuj, Jeruzalem Ormož, Haloze, Slovenske gorice

Mit einem steirischen Puch Motorrad aus den 50ern durch die ehemalige Untersteiermark:

Links

Hymer WoMo Kalender 2017

 

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